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Nie wieder Sant'Anna! Eine gemeinsame Reise in die Vergangenheit und die Zukunft

Noch gibt es sie: Die wenigen Zeitzeugen, die das Massaker von Sant’Anna durch SS-Soldaten 1944 überlebten. Enio Mancini ist einer von ihnen und er wird nicht müde seine Geschichte zu erzählen. Wie schon letztes Jahr konnten die Teilnehmer*innen des Workcamp „Friedensarbeit in Sant’Anna - Eine italienisch-deutsche Jugendbegegnungs- und Gedenkstättenfahrt“ Enio treffen und sich mit ihm über seine bewegende Erlebnisse austauschen.

Am 12. August 1944, gegen Ende des zweiten Weltkrieges, überfielen deutsche Soldaten das toskanische Bergdorf Sant'Anna di Stazzema und ermordeten etwa 560 Zivilisten, darunter vor allem wehrlose Frauen und Kinder. Wo einst grauenvolles Töten vonstattenging, befindet sich heute ein Friedenspark mit Gedenkstätte und Museum, ganz besonders dank des jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatzes der wenigen Überlebenden.
 
Die 13 deutschen und italienischen Teilnehmer*innen des Workcamps begaben sich auf eine Reise in die Vergangenheit, forschten am Ort des Gedenkens über die Vergangenheit und setzten sich in kreativen Workshops mit der Gegenwart und Zukunft Europas auseinander. Sie nahmen an der jährlichen Gedenkfeier teil, gestalteten ein Banner und verfassten in ihrer Rede, die die Teilnehmerin Chiara auf der Feier hielt, eine starke Botschaft:

SantAnna2018_Eberhard_Frasch

„“Nie wieder Sant’Annas”, diese Worte, die Enrico Pieri häufig ausspricht, sind für uns von großer Bedeutung. Es sind einfache und klare Worte, die aber unsere Wünsche und Hoffnung ausdrücken, dass sich Ereignisse wie diese niemals wiederholen mögen. Und genau dafür setzen wir uns im Campo della Pace ein.

Das Campo della Pace, das sind wir, 17 junge Weltbürger, die in Italien und Deutschland leben und sich an diesem Ort, in Sant’Anna di Stazzema, treffen, einem Ort, an dem Schreckliches geschehen ist. Wir versuchen zu verstehen, wie es dazu kommen konnte und erarbeiten uns die Geschichte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Wir hatten das große Glück mit den Überlebenden Enio Mancini, Adele und Siria Pardini sowie Enrico Pieri sprechen zu können und dabei ist uns klargeworden, dass wir eine Verpflichtung haben, uns ihrer Berichte zu erinnern, denn es bleibt nicht mehr viel Zeit und es wird nicht mehr viele Gelegenheiten geben, die Überlebenden selber zu treffen, mit ihnen zu sprechen und von ihnen zu lernen.
Ein ganz besonderer Moment war für uns, als Enio Mancini uns sein Buch „Sant’Anna di Stazzema – 12.08.1944 - sie haben es auch Dir angetan“ überreicht hat, denn damit hat er seine Erinnerungen in unsere Hände übergeben.
 
Das von uns gestaltete Banner spiegelt unsere Erfahrungen und Reflektionen dieser Woche wider und unsere Botschaft, die wir in die Welt rufen möchten: Unser Aufruf für Menschenrechte, Brüderlichkeit und Frieden. Die 12 Kinder, die sich an der Hand fassen und einen Ringelreihen tanzen, erinnern zum einen an das Foto von Sant’Anna di Stazzema, das auch ein bekanntes Symbol geworden ist, stehen aber auch für die 12 Sterne der europäischen Fahne. Dies drückt unseren Wunsch nach einem gemeinsamen Europa aus, in dem man sich einander wieder die Hand reicht um die Probleme unserer Welt zu lösen, was nur gemeinsam zu schaffen ist.

Die Taube als Symbol des Friedens haben wir mit den Abdrücken unserer Hände geformt. Damit wollen wir ausdrücken, dass jeder von uns die Verantwortung hat, die Erinnerung weiter zu tragen und die Menschenrechte zu schützen.
Das Zitat “Nie wieder Sant’Annas” haben wir in den Farben des Regenbogens geschrieben, denn diesen Satz verstehen wir als optimistische Vision der Zukunft und der Welt. Wir möchten nicht, dass Sant’Anna ein bloßer Ort der Trauer und des Schmerzes bleibt, es soll vielmehr ein Ort sein, der uns hilft zu erkennen, wie wir gemeinsam in Frieden und Harmonie leben können. In einer bunten Welt der Vielfalt.“
 
 
Wir möchten uns herzlich bei den Teilnehmer*innen, den Projektpartner*innen, den Förderern und den vielen ehrenamtlichen, unermüdlichen Helfer*innen bedanken. Danke für jede einzelne helfende Hand, ohne euch wäre das Workcamp nicht möglich gewesen!

Danke, Enio, Adele, Siria und Enrico, dass wir aus eurer Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen durften. Danke, dass ihr uns zu „Zweitzeugen“ gemacht habt und wir eure Botschaft weiter in die Welt tragen können.
 
 
Foto: E. Frasch
 

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