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Wenn Fremde zu Freunden werden

Gemeinschaft, Spiel und Spaß bei der Tschernobyl-Kindererholung im NFH Sechselberg

„Wo ist Momo?“ – hallt es über die Grünfläche hinterm Naturfreundehaus Sechselberg. Vergnügt und in bester Stimmung jagen 19 Kinder dem „Wächter“ von „Momo“ hinterher, ein kleines freundliches Stofftier-Monster, das es zu erobern gilt, und beweisen hierbei jede Menge Ausdauer. „Nochmal, nochmal“ fordern die Kinder aus der Region Tschernobyl auf Deutsch und los geht‘s in die nächste Runde.

Gemeinschaft, Spiel und Spaß stand am 05.08.18 beim Projekttag der Naturfreundejugend Württemberg bei der Tschernobyl-Kindererholung auf dem Programm. Seit nunmehr 25 Jahren organisieren die Ortsgruppen Backnang und Stuttgart-Untertürkheim diese 3-wöchige, spendenbasierte Kindererholung für Kinder zwischen 8 bis 14 Jahren auf dem Naturfreundehaus Sechselberg und führen diese mit viel Engagement der ehrenamtlicher Helfer*innen durch.
Dieses Jahr ist es 32 Jahre her, dass sich in Tschernobyl die "Nuklearkatastrophe" ereignete. Ganze Regionen sind noch immer unbewohnbar und selbst in (schwach) radioaktiven belasteten Wohnumgebungen ist der Abbau radioaktiver Elemente im kindlichen Organismus nachweisbar, sobald man sich eine Weile draußen aufhält.

Umso schöner ist es, die Ausgelassenheit der Kinder beim Projekttag zu erleben. Heiko, ehrenamtlicher Vorstand in der Landeskinder- und Jugendleitung der NFJW, und Tina, Jugendbildungsreferentin der NFJW, haben ein buntes Programm an vielfältigen Kennenlern- und Kooperationsspielen vorbereitet, die in der Kinder-Gruppe Neugier und Teamgeist weckten und viele tolle, neue Erfahrungen bot: Zusammenhalt war gefragt beim Wenden der Plane, auf der die Gruppe steht und die während des Wendens keinen Fuß auf den Boden außerhalb der Plane setzen darf. Und bei der „Bergüberquerung“, bei der alle Kinder von einer Seite über ein Seil auf die andere Seite gelangen mussten – zündende Ideen und das Anpacken jedes/jeder Einzelnen machten das schließlich möglich, was für ein Erfolg!

„Wie sieht die deutsche Fahne aus?“, wollte Wladimir* nachmittags wissen, als es eine kleine Verschnaufpause gab. Jedes Kind durfte einen Turnbeutel bemalen, den es nach Beendigung der Freizeit als kleine Erinnerung mit nach Hause nehmen kann. Da wurden Muster, Fahnen, Blumen, Inseln, Sonnen und Fantasie-Gebilde auf die Beutel gepinselt und mit viel Geduld und Liebe zum Detail Perlen an die Schnüre geknüpft. Manch einer wollte den Beutel direkt tragen und gar nicht mehr ablegen.

Dass die Kinder und der/die Teamer*in Heiko und Tina nicht dieselbe Sprache sprachen war nur zu Beginn eine kleine Hürde – schnell verstand man sich mit Mimik und Gestik, und in der allerletzten Not konnte eine der Betreuer*innen der Kindergruppe übersetzen. Die Zeit verging bei so viel Action und Werkeln wie im Flug und abends hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.
Und was bleibt am Ende des Tages? „Ich muss mir unbedingt alles aufschreiben, das sind tolle Ideen, die ich mit den Kindern meiner Klasse in Weißrussland ausprobieren möchte“, sagte Iryna, eine der Betreuer*innen und bedankt sie begeistert. Und die Kinder? Sasha* frägt Tina, was „everything“ auf Deutsch heißt und verrät nicht warum. Später in der Abschlussrunde löst er es auf und auch die anderen Kinder stimmen mit ein: Was war das Schönste des ganzen Tages heute? „ALLES“ hallt es über das Gelände des Naturfreundehauses! Und auch Heiko und Tina sind sich einig: Wenn Fremde zu Freunden werden und gemeinsam lachen, dann ist das die schönste Sprache!

Auch für 2019 werden wieder Spender*innen und ehrenamtliche Helfer*innen für die Küche, Organisation und Betreuung gesucht – ohne die das Projekt nicht stattfinden kann. Bist du nächstes Mal mit dabei?


Mehr Informationen zum Projekt findest du hier auf der Homepage der NaturFreunde Backnang.

*Name geändert

Fotos: Tina Panzer, NFJW
 

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Schlagworte: Ferienfreizeiten, Tschernobyl, Erlebnis, Erlebnispädagogik